Wie lebt es sich ohne Social Media?

Sanel

Dieser Beitrag ist eher spontan entstanden und hat eigentlich nur eine nervige Sache als Auslöser. Seitdem ich mich von sozialen Medien abgemeldet habe, bekomme ich des Öfteren die Frage gestellt, wie man denn ohne leben könnte? Selbst mein Verzicht auf WhatsApp hat nur dazu geführt, weniger wahrgenommen zu werden und als Sonderling zu gelten.

Dies soll jetzt kein Beitrag werden, warum du vielleicht dich von den sozialen Medien fernhalten solltest, sondern dir eher die Frage zu stellen, ob diese dir etwas bringen oder dein Leben bereichern. Für mich war schon in den letzten Jahren klar geworden, dass ich das eigentlich nicht benötige. Zum einen sind die sozialen Medien sehr weit von dem entfernt, was sie beim Start eigentlich versprochen haben. Persönliche und aus dem Leben geschriebene oder fotografierte Ereignisse. Ein Ort, an dem sich Gleichgesinnte treffen und plaudern können und vor allem einfach ein paar Gedanken loswerden.

Ganz unschuldig bin ich aber auch nicht, was soziale Medien angeht. Zum Start von Twitter war ich einer der Ersten, die sich direkt angemeldet haben. Ich habe gepostet, was das Zeug hält, und habe sogar einen Spaß Account als auch einen allgemeinen Account mit einer Menge an Followern gehabt. Ebenso Instagram, als es gestartet ist. Facebook hat mich nie gewinnen können und auch WhatsApp war ich ein extremer User, der eigentlich nur noch darüber geschrieben hat.

Der langsame Wechsel

Mit der Zeit war es einfach so, dass sich zu viele Menschen dort getummelt haben und natürlich dadurch eine größere Menge an verschiedenen Meinungen und Interessen vertreten waren. Mit der steigenden Zahl von Nutzern wurde das Ganze irgendwann mehr eine Art von Wettkampf. Mehr Posts, mehr Follower und mehr Reichweite. Der Inhalt fing an, in den Hintergrund zu verschwinden.

Gefühlt ging der Wechsel langsam vonstatten und hat sich über mehrere Jahre vollzogen, bis der Punkt erreicht war, dass ich wirklich immer weniger und vor allem mit weniger Spaß an die Sache gegangen bin. Es wurde mir einfach zu unpersönlich. Der Startpunkt, an dem Influencer das Bild der einzelnen Medien prägten, war mir dann auch der Punkt gewesen, wo ich langsam anfing, das Ganze zu hinterfragen.

Ihr kennt es bestimmt. Personen, denen ihr folgt, richten deren Inhalte komplett auf sich, vermarkten ihr Leben und platzieren überall Werbung. Es wird euch vorgegaukelt, dass sie mit dem angehäuften Reichtum nun alles erreicht haben und ihr das natürlich auch schaffen könnt. Von Kosmetik bis irgendwelche Techsachen ist alles vorhanden. Marken der berühmten Personen ploppen auf und es bilden sich immer mehr Grüppchen. Der allgemeine Umgang wurde rauer und plötzlich besteht dein Feed nur noch aus Werbung, Fake Reichtum und bezahlter Werbung. Die Inhalte, die dich interessieren oder weswegen du bestimmten Menschen gefolgt bist, sind einfach nicht mehr zu sehen. Selbst deine Inhalte gehen dadurch unter, wenn du nicht die passende Reichweite hast. Politischer Aktivismus wird betrieben und versucht, dich über soziale Medien auf eine bestimmte Seite zu ziehen.

Mir geht es gut ohne

Theoretisch kann ich hier noch weitere Beispiele nennen, aber ich denke, ihr könnt mir folgen. Inzwischen sind knapp 2 Monate an Leben an mir vorbeigezogen ohne Social Media und ich muss sagen, ich bin immer noch da. Ich habe bis jetzt nichts vermisst und auch sonst habe ich erste kleine Änderungen bemerkt, die sich positiv auf meine Grundstimmung auswirken.

Ich bin hier einfach ruhiger geworden. Meine Nerven danken es mir, indem ich ausgeglichener bin und mich einfach in Ruhe ohne Ablenkung an meinen Aufgaben und meinem Leben teilhaben kann. Ohne die ständige Reizüberflutung und dem Eintrichtern, dass ich eigentlich wertlos bin, weil ich keine 3 Porsche in der Garage in Dubai stehen habe. Der Drang, sich mit jedem messen zu wollen, ist einfach irgendwie nicht mehr da, den ich seit den sozialen Medien irgendwie aufgebaut habe.

Ich bin auch etwas wacher geworden. Meine Umwelt als auch Menschen nehme ich inzwischen anders wahr. Besonders bei der Arbeit ist mir das aufgefallen. Ohne die ständigen negativen Einflüsse und negativen Rückmeldungen habe ich einfach mehr Geduld. Ich sehe und registriere meine Umwelt intensiver. Ob sie dadurch besser geworden ist, kann ich bis jetzt nicht bestätigen, aber mehr Umfeld wahrnehmen hat auch seine Vorteile.

Der folgende Punkt könnte etwas seltsam klingen, aber ich habe nicht den Drang, immer das neueste und beste haben zu wollen, was gerade angesagt ist. Stark ausgeprägt ist das Ganze zwar bei mir nicht gewesen, doch ich merke hier einen Unterschied. Mein Handy ist schon knapp 7 Jahre alt und so langsam wird es Zeit für ein neues. Nicht weil das alte schlecht ist, sondern weil es einfach inzwischen komplett durch ist. Es lässt sich nicht mehr gescheit laden und auch der Akku lässt zu wünschen übrig. Bin also hier einfach an den Punkt angekommen, wo ich sage, ich kaufe mir etwas, weil es gerade benötigt wird und nicht weil ich damit angeben muss. Ich kaufe es, weil ich es möchte.

Mein Fazit

Soziale Medien sind jetzt nicht von Grund auf schlecht. Sie sind eben nur nicht für jeden geeignet, je nach gewünschtem Nutzungsverhalten. Für mich hat es sich nur gezeigt, dass ich dem Konsum bei den Diensten und der negativen Grundstimmung nichts mehr abgewinnen kann.

Solltet ihr zufrieden sein und euch das Spaß machen, ist es natürlich legitim, weiter die Dienste zu nutzen. Für mich selbst waren die negativen Einflüsse einfach zu viel. Zwar könnte man meinen, dass sowohl der Blog und der Matrix Chat von Nerdjunk auch soziale Medien sind, aber hier läuft das Ganze etwas anders. Es ist klein und fein in meinen Augen und da hat man noch Spaß an der Sache. Hier mache ich etwas für mich und vielleicht für euch, wenn ich ein passendes Thema finde.

Alles geschieht hier in einem langsamen Tempo. Mein Tempo, um genau zu sein. Hier muss ich nicht zeigen, was ich habe oder um zu zeigen, dass ich eventuell mehr habe als der User 12345.

Ein wichtiger Punkt wurde noch hier noch nicht erwähnt. Das ist die Zeit an sich. Habt ihr euch schon gefragt, warum ihr aus einmal kurz hineinschauen einfach mal 2 Stunden doomscrolling gemacht habt? Egal, welches Medium. Mal eine kurze Pause machen endet hier in den meisten Fällen einfach damit, dass man mehrere Stunden mit ausgeschaltetem Hirn vor dem Handy sitzt und einfach nichts mehr mitbekommt. Aber so gar nicht. Für mich ging das gar nicht mehr.

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2 Kommentare

  1. Schöne Zusammenfassung! Ich erlebe Ähnliches wie du, wenn ich Social Media mal wieder vom Smartphone lösche. Allerdings bin ich bislang immer wieder dorthin zurückgekehrt. Ein Kreislauf, hoffentlich kein ewiger.
    Eine schöne Woche dir mit viel guter Laune 😊

    • Hallo Micha,
      danke für die positive Rückmeldung. Auch mal eine kleine Pause machen von Social Media kann wunder helfen. Vielleicht kommt das Ganze einfach nur etwas später bei dir.

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