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Lästig, aber wichtig – Essen protokollieren als Diabetiker

Es gibt nichts Nervigeres, als bestimmte Dinge ständig machen zu müssen, auf die man keine Lust hat. Diabetiker egal, ob alt oder jung kommen da leider auch nicht drumherum. Spreche hier definitiv aus Erfahrung. In meinen jungen Jahren hatte ich nie Lust dazu und habe es auch nie getan. Ganz zum Leidwesen meines Arztes damals, der mir eher selten dann Wege aufzeigen konnte, meinen Blutzucker stabil zu halten. Aber mal im Ernst? Wer hat die Lust auf so einen Mist?

Dabei sollte nicht vergessen werden, dass es damals nur mit Block und Stift möglich war, seinen Alltag festzuhalten. Dafür nutzte man fertige Tagebücher und schrieb dann genau auf, was man zu sich genommen hat. Damit man wusste, was überhaupt auf den Tisch gekommen ist, gab es dann noch Nährwerttabellen. Darin standen dann wichtige Angaben wie Kohlenhydrate. Mindestens 3 solcher kleinen Heftchen hatte ich und habe sie eigentlich kaum benutzt. Ob man sie genutzt hatte oder nicht spielte eigentlich keine Rolle, da es immer wieder auf das Gleiche hinausgelaufen ist:

  1. Grundnahrungsmittel wie Brot, Nudeln, Reis und was man noch gerne gegessen hat, wusste man in- und auswendig.
  2. Das Lebensmittel, was man gerade benötigt, war nicht im Heftchen vorhanden
  3. man hat den Mist einfach irgendwo verloren

Warum soll man eigentlich Lebensmittel protokollieren?

Heutzutage ist es kein Problem mehr, an die nötigen Informationen zu kommen. Eine kurze Suche bei Google und man sieht alles. Für uns als Diabetiker natürlich super. Aber was ist, wenn ich 2 Wochen später das Gleiche esse und ich weiß noch das ich Probleme mit meinem Zucker hatte? Woran hat das gelegen? Was habe ich an Insulin gespritzt? War das eigentlich sehr fettig und hat deshalb Probleme verursacht? Bin ziemlich sicher, dass man nach 2 Wochen nicht alle Details kennt oder sich erinnern kann. Es ist auch egal, wie lang du Diabetiker bist. Irgendetwas kann schiefgehen und es wird auch schiefgehen. So will es das Gesetz.

Nachfolgend erst einmal eine kurze Erklärung, wie Diabetiker ihr Insulin überhaupt berechnen müssen.

Für Diabetiker sind einmal die Kohlenhydrate entscheidend, da sie an erster Stelle den Blutzucker erhöhen. Hier wird heutzutage in 2 Einheiten gemessen:

  • 1 BE ( Broteinheit ) = 12 Gramm Kohlenhydrate
  • 1 KH ( Kohlenhydrateinheit ) = 10 Gramm Kohlenhydrate

Wer sich den Quatsch mit den 12 Gramm ausgedacht hat, ist mir ein Rätsel. Leider bin ich selbst auch mit BE aufgewachsen. Irgendwann ist aber jemand auf die Idee gekommen, dass es mit KH einfacher ist zu rechnen.

Wie dem auch sei, aber die Menge an Insulin wird anhand der Grammzahl an Kohlenhydraten berechnet. Hierzu wird mit dem Arzt erst einmal geprüft, wie viele Einheiten Insulin eine BE bzw. KH neutralisieren. Auf Deutsch heißt, das nichts anderes, dass du nach dem Essen einfach den gleichen Blutzuckerwert haben solltest wie vor dem Essen. Wenn du das hinbekommen kannst, dann hast du deinen BE/KH-Spritzfaktor gefunden. Dabei braucht man morgens und abends etwas mehr Insulin und mittags etwas weniger.

Du hast bisher nicht gesagt, warum man protokollieren soll

Ok. Also kurz gesagt für einen selbst als Kontrolle. Ein anderer Faktor ist in meinen Augen auch die Menge an Essen, die man einfach mal so auf die Hand bekommt. Kauf dir als Beispiel einfach mal 3x Pizza Salami und du wirst sehen, du brauchst bei allen eine unterschiedliche Menge an Insulin. Ach stimmt ja. Du bist ja kein Diabetiker. Dann schau einfach auf die Nährwerttabelle. Da können bis zu 30 Gramm Kohlenhydrate Unterschied sein. Vergessen wir nicht das Backwarenregal im Discounter. Ein Cronut ist nicht einfach nur ein Cronut. Ihr versteht aber, worauf ich hinaus will. Bei den vielen Herstellern und Rezepten ist jedes für sich unterschiedlich. Das gab es früher auch nicht in dieser Weise.

Heute ist es einfach das Essen einzutragen

Dank Smartphones ist es heute echt einfach. Dieses hat man immer dabei und dient heutzutage als zweites Gehirn. Für mich das Wichtigste in meinem Diabetes Leben. Das Smartphone speichert und zeigt mir den Verlauf meines Blutzuckers an und dient auch als Nahrungsmittelindex. Alleine das bei den Apps viele Menschen mitmachen können, ist hier eine enorme Wissensquelle vorhanden. Zwar sollte man hier auch nicht alles als gegeben ansehen, da falsche Informationen eingegeben werden können. Habe bis jetzt aber zu 95% positives erlebt.

Meine App der Wahl für das Dokumentieren

Irgendwann bin ich zur App YAZIO gekommen. Eigentlich eine App, um sein Essverhalten in Zaum zu halten und Gewicht zu verlieren. Funktioniert hier auch tadellos als Eisentagebuch. Gekoppelt mit dem Handy als Schrittzähler und Health ist daraus einfach ein Tagebuch geworden.

Hier hat man nach einer 2-3 Monatigen Nutzung alles angelegt, das Einträge in 1 Minute erledigt sind. Auch die Möglichkeit ein Bild von eurem Essen anzuhängen ist gegeben. Besonders interessant, wenn man ins Restaurant geht. Man könnte die App hier natürlich auch vorstellen, trotzdem möchte ich nur paar Worte zu den Funktionen geben, die ich gerne nutze, da sie zu meinem Leben passen.

Rezepte suchen und nachkochen
  • Ein Barcodescanner zeigt euch direkt alle Werte des Nahrungsmittels vom Hersteller. Bei Gebäck oder geschnittenem Brot wird euch direkt auch die Grammzahl der Scheibe und die Kohlenhydrate angegeben. So müsst ihr selbst nicht wiegen und rechnen. Spart viel Zeit.
  • Falls Informationen falsch sind oder gar fehlen, könnt ihr euch den Eintrag einfach anlegen. Praktisch für eine Portion Eintopf als bspw.
  • Ihr könnt euch Mahlzeiten und oft genutzte Lebensmittel in die Favoriten packen. So habt ihr schneller Zugriff. Ebenso sind die Portionsgrößen anpassbar. Mal ehrlich. Wer isst denn bitte 15 Gramm Chips als eine Portion?
  • Riesige Rezeptdatenbank, in der ihr einfach nachkochen könnt. Einkaufsliste inklusive und es ist alles schon berechnet.
  • Neue Lebensmittel können schnell gesucht werden, um sich einen Überblick zu machen, ob man es essen sollte oder nicht. Je nach Situation möchte man ja nicht viele Kohlenhydrate zu sich nehmen.

Die App ist in den Grundfunktionen kostenlos. Oft gibt es aber Angebote für ein Jahresabo unter 30 Euro. Meines habe ich damals für 20 Euro im Jahr abgeschlossen und nie bereut. Zwar gibt es mal Phasen, wo die App nicht ganz so intensiv genutzt wird (also gar nicht in Gebrauch ist), aber nach kurzer Zeit komme ich immer wieder zurück. Für mich bedeutet die App einfach ein wenig Rückhalt, in der ich meine Fehler nachschauen kann. Viele der Lebensmittel oder Snacks würde ich komplett falsch berechnen. Hier hat sie mich nicht nur einmal davor bewahrt, zu wenig oder zu viel Insulin zu spritzen. Ein weiterer praktischer Effekt ist es auch dem Arzt zeigen zu können, was man bei dem Ausrutscher angestellt hat. Manchmal ist es eben auch mal gut neutral vom Arzt ein Tipp zu bekommen.

Streak anzahl ist nun ganz neu

Für einige wird dieser Beitrag wahrscheinlich, der langweiligste sein, den er je gelesen hat. Für die Diabetiker unter euch hat er vielleicht auch eine weitere Möglichkeit aufgezeigt, wie man mit dem Zuckermonster umgehen kann.

Sagt mir ruhig eure Meinung dazu in den Kommentaren. Bin gespannt, wie ihr das seht.

Sanel

Gründer von nerdjunk.de und vollkommen planlos in die Erstellung gegangen. Liebt Manga, Anime, Games, Movies und vieles mehr, womit man seine Zeit sinnlos füllen kann. Spaß muss es machen. Die Zeit für das Hobby fehlt, aber daran sind wie immer die anderen Schuld.

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