Ich habe Social Media aus meinem Leben entfernt

Geschrieben von: Sanel

Eigentlich ist mit der Überschrift alles gesagt. Danke für eure Aufmerksamkeit und bis zum nächsten Beitrag.

Theoretisch könnte ich es bei den zwei Sätzen lassen oder euch einmal erklären, warum ich diesen Schritt für mich gegangen bin. Was auf den ersten Blick sehr schräg klingt, ist in meinem Falle gar nicht so schräg. Ich war zum Start von Social Media immer dabei. Sei es Facebook oder Instagram oder Twitter. Ich war immer am ersten Tag mit dabei und habe getestet, was das Zeug hält. Viele von den Plattformen haben mich aber nach ca. 3-6 Monaten aber auch wieder verloren. Ich hatte einfach nie wirklich Lust, selbst Unmengen an Beiträgen oder Bildern zu posten, und die sich immer wieder wiederholenden Bilder bei Instagram gingen mir einfach irgendwann auf die Nerven.

Twitter war die einzige Plattform, die mich knapp 6 Jahre halten konnte. Damals war alles neu und viele wollten wie ich selbst testen und haben auch gerne geschrieben. Ich hatte selbst einen Spaßaccount, bei dem ich immer mit anderen geredet und sie ein wenig auf die Schippe genommen habe. Dies hat auch super funktioniert, da ich nie irgendjemand beleidigt oder persönlich angegangen bin. Dies führte für meine Verhältnisse auch dazu, wirklich eine Menge an Followern zu bekommen. Mit damals ca. 9000 Followern war ich ganz groß dabei.

Je populärer die Plattformen wurden, desto mehr fing es an, einfach keinen Spaß zu machen. Werbung wurde immer mehr geschaltet und allgemein war die Stimmung immer mehr auf dem Weg von spaßig und gechillt zu aggressiv zu wechseln. Je mehr Menschen mitmachten, desto mehr kippte die Stimmung. Aus den guten Ansätzen ist irgendwie ein Wettrennen um Follows und Views geworden und seine Meinung wurde dann immer aggressiver unter das Volk gebracht. Gespräche, wie ich sie am Anfang hatte und dadurch sogar ein paar Menschen kennengelernt habe, gab es plötzlich nicht mehr.

Je mehr die Zeit verging, desto mehr Themen sind natürlich auch in die sozialen Medien gekommen und auch die passenden Diskussionen. Was an sich nicht schlecht ist, führt bei mir inzwischen eher zur Ermüdung. Man ist einfach nicht mehr in der Lage, die Themen auszublenden, die man nicht lesen möchte. Ich selbst habe nie das Internet groß genutzt, um meine Meinung unters Volk zu bringen, sondern eher als Ablenkung. Dies hat sich eigentlich auch nicht geändert. Sofern man den Blog hier mal ignoriert, da ich ja euch hier meine Meinung ja öfter niederschreibe.

Mit der Zeit habe ich einfach immer weniger geschrieben und habe einige Apps immer auf dem Handy gehabt, aber nicht benutzt. Gelegentlich hineingeschaut und das war es. Was inzwischen auf sozialen Medien passiert, passt einfach nicht mehr in mein Leben. Influencer, die sich ständig bekriegen. KI-Videos und die allgemeine KI generierten Inhalte ohne Sinn. Der negative Ton, wenn du mal etwas falsch formulierst, sind ein paar Dinge, die mir in den letzten Jahren echt oft den Tag nicht gerade bereichert haben. Ungeschriebene Gesetze, denen jeder folgen muss. Neue Nutzer werden von Unmengen von Nachrichten von Leuten erschlagen, die ihnen Regeln aufzwingen wollen. Sofern du nicht mitziehst, bist du einfach nicht mehr dabei.

Könnte hier noch ein paar weitere Beispiele nennen, aber ich glaube, ihr versteht, wohin das Ganze geht.

Natürlich ist nicht alles schlecht. Man kann auch heute noch viel Spaß bei sozialen Medien haben und Leute kennenlernen und sich ablenken. An dieser Stelle möchte ich aber auch niemandem den Spaß daran zerstören. Ich habe nur für mich selbst festgestellt, dass ich nicht mehr willens bin, da viel Zeit zu investieren, geschweige mich mit anderen Menschen online in Diskussionen zu verzetteln, die kein Ende finden. Ich bin für mich einfach aus dem Alter raus, an dem ich einen Sinn darin finden kann, mich online irgendwo groß einzubringen, was soziale Medien angeht.

Es macht mir schlicht und ergreifend keinen Spaß mehr.

Statt sinnlos durch ewige Feeds zu scrollen und dabei mich für Stunden geistig abzuschießen, lege ich das Ganze lieber zur Seite und genieße das richtige Leben. Hobbys habe ich genügend, die mich auf Trab halten können, und dieses draußen an der frischen Luft ist auch nicht so verkehrt.

Ob es dabei bleibt oder ich in unbestimmter Zeit doch wieder schwach werden könnte, schließe ich hier mal nicht aus. Habe da mehr Gefallen an der langsamen Version gefunden, die ich hier mit dem Blog mein Zuhause nenne. Es ist einfach ein Projekt für mich, welches mir Spaß macht und das sogar erlaubt, mit anderen Menschen zu kommunizieren, wenn sie es möchten. Hier muss ich nicht vorgeben, etwas Besonderes zu sein oder unter Druck zu stehen, etwas Bestimmtes in die Welt hinauszuschreien.

Ich mag es einfach langsamer und leiser in meinem Leben. Einfach runter vom Gas.

6 Kommentare

  1. Ich hatte auch lange einen Twitter Account, war aber schon weg, noch bevor Elon komplett durchgedreht ist. Das war schon vorher, wie du schon beschreibst, nicht mehr meins.
    Facebook hatte ich nie und Instagram hat mich tatsächlich nur einen Tag interessiert, danach wurde das Konto wieder gelöscht.
    Mittlerweile habe ich nur noch einen Fediverse Account, aber auch dieser ist ziemlich eingeschlafen. Bockt alles nicht mehr so. Aber dafür gibt’s ja Blogs wie diesen hier und Foren 😊

  2. Das kann ich gut nachvollziehen. Social Media ist mir persönlich zu polarisierend. Und es hat auch nicht mehr viel mit „social“ zu tun. Entweder jemand will dich zu seiner Meinung bekehren oder jemand will, dass du sein Zeug kaufst. Dazwischen gibt es bei Social Media fast nichts mehr.

    Vor ein paar Jahren habe ich von Tim Wu das Attention Merchants Buch gelesen. Das dröselt das Thema sehr gut auf. Moderne Plattformen lassen Inhalt von den Konsumenten erstellen und verdienen an Werbung. Damit setzt sich langfristig nur polarisierender Content durch. Quasi Bild Zeitung ohne Redaktion und auf Steroiden. Im Buch wird das noch durch die Geschichte von Boulevard Zeitungen eingeleitet.

    Zum Glück gibt es immer noch Alternativen durch Blogs, Bücher und einige hervorragende Magazine.

  3. Norrsken

    @nerdjunkblog in Bezug auf die großen Plattformen habe ich öfter die Bezeichnung asoziale Hetzwerke gehört/gelesen, da durch die Algorithmen eher schlechte bzw reißerische Beiträge Aufmerksamkeit bekommen. Es fühlt sich schon irgendwo passend an. 🤔
    Das Fediverse als Gegenentwurf ohne Algorithmen tut mir persönlich da auch besser.
    Manche fliehen inzwischen aus dem Internet in die Realität um abzuschalten, statt umgekehrt.

    • ᏕᎯᏕᏣᎻᎯ :antifa:

      @Norrsken @nerdjunkblog

      mein Problem sind Menschen im Fediverse, die glauben das ihre Meinung die beste ist und andere nicht akzeptieren, sowie Menschen die ihre Ansichten als feste Regeln anderen versuchen auf zu zwingen.

      Generell ist mir das Fediverse so viel lieber als kommerzielle Plattformen. Die Probleme ziehen sich vermutlich auch durch die ganze Gesellschaft. Zusätzlich gibt es in der linken Szene noch einige zusätzlich Probleme (Trigger Themen)

      • Norrsken

        @sam4000 @nerdjunkblog die Menschen, die du beschreibst, gibt es ja überall. Hier pushed nur kein Algorithmus. 🙈

        • ᏕᎯᏕᏣᎻᎯ :antifa:

          @Norrsken
          ja, ohne Algorithmus ist das hier echt schön.

          Ja, leider.

          @nerdjunkblog

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