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Ein Gantz kleiner Liebesbrief an einen Manga

Hallo zusammen, heute muss ich mal etwas los werden, was schon seit einigen Jahren in mir schlummert. Vor vielen Jahren hab ich durch puren Zufall mal von einer kleinen Manga Reihe namens „Gantz“ gehört. Ich wusste eigentlich nur, dass die Reihe sehr komisch sein soll und dass es um Aliens geht, die gegen Menschen in Tokio kämpfen. Das war eigentlich auch genug, um zumindest so ein bisschen Interesse damals zu wecken. Ich möchte noch kurz anmerken, dass ich sonst nie so sehr durch Reihen binge-lese. Mein Lese-Erlebnis ist meistens entspannt und ich lass mir für Reihen auch gerne mal Zeit, auch weil ich ein nicht ganz so schneller Leser bin.

2 Tage. 37 Bände

Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was beim Starten von Gantz in mich geraten ist. Eigentlich wollte ich nur die ersten Kapitel lesen und dann schlafen gehen. Am Ende von Kapitel 1 war ich noch nicht komplett gefesselt, wollte dem gan(t)zen aber noch länger geben. Was zwischen Kapitel 1 und ca. Kapitel 40 passiert ist, weiß ich beim besten Willen nicht mehr. Gantz ist wie ein Staubsauger. Sobald du nah genug dran bist, wirst du in einen Schlauch gezogen und landest in einem Tokio, welches ungehaltener und merkwürdiger nicht sein könnte. Aber worum geht es eigentlich?

Dieser Artikel wird minimale Spoiler für den Manga „Gantz“ enthalten.

Ein tödliches Spiel

Kei Kurono ist 15 Jahre alt und kümmert sich nur um sich selbst. Er ist besessen von Frauen, cool sein und denkt eigentlich nur an sich selbst. Als er in der U-Bahn einen Schulkameraden trifft und ein Mann auf die Gleise fällt, nehmen die Ereignisse seinen Lauf. Gegen seinen Willen versucht Kurono dem Mann mit seinem Kameraden zu helfen und wird dabei vom Zug überfahren. Anstatt zu sterben, werden die beiden Jungs in einen Raum transportiert, in dem eine schwarze Kugel steht. Weitere Leute werden in diesen Raum transportiert und der zusammengewürfelten Gruppe werden Waffen und komische Anzüge bereitgestellt, um eine Mission zu erfüllen. Nur einer in der Gruppe hat Ahnung, was da gerade passiert, erzählt der Gruppe aber nicht viel und verhält sich eher wie ein Zuschauer.

Gantz handelt quasi von einer Art Spiel. Menschen, die eigentlich gestorben sind, werden in diesen Raum teleportiert und sollen von dort aus mit Waffen ausgestattet werden, um gegen Aliens zu kämpfen. In festen Abständen werden diejenigen, die eine Mission überlebt haben, wieder in diesen Raum transportiert und müssen wieder um ihr Überleben kämpfen. Während der Kämpfe gegen die Aliens können die Menschen nur in einem kleinen Bereich agieren und haben Zeitlimits. Der Autor Hiroya Oku erschafft Charaktere, mit denen man einfach mitfiebern muss, auch wenn es manchmal ziemlich ziewlichtige Gestalten sind. Kurono selbst ist am Anfang der Geschichte wirklich unerträglich und man fängt an, ihn zu verachten. Doch das ändert sich im Laufe der Geschichte und das ist auch genau das, was mich damals dazu gebracht hat die Reihe so zu verschlingen.

Der Tod kann jeden treffen

Jede neue Mission für die Menschen bringt neue Teilnehmer, die vor kurzem gestorben sind. Dabei ist niemand sicher von dem blutigen Spiel. Sei es nun eine Oma und ihr Enkelkind, ein Model oder manchmal auch, so traurig es auch ist, ein 4 jähriges Kind. Durch diese verschiedenen Charaktere und der Tatsache, das wirklich niemand sicher vor dem Spiel ist und die Aliens eine wirklich hohe Tötungsrate haben, bleibt der Manga durchgängig spannend. Es ist einfach erfrischend, wenn man nach dem Lesen von Shōnen Reihen, in denen so selten mal jemand das Zeitliche segnet, etwas liest, wo jeder sterben kann.

Neben den Missionen zeigt Gantz auch das tagtägliche Leben der Hauptcharaktere. Kurono merkt schnell, wie gerne er zurück zu den tödlichen Missionen will, da es ihm endlich einen Sinn im Leben gibt. Auf den Schlachtfeldern mitten in Tokio kann er endlich leben, was in seinem langweiligen, alltäglichen Leben einfach fehlt. Ich hab mich persönlich damals sehr verbunden mit dieser Einstellung gefühlt. Damals hat mich das Arbeiten Tag ein Tag aus sehr gelangweilt, besonders da ich noch nicht den passenden Job gefunden hatte. Neben den Charakteren hat Gantz aber noch weitere Dinge, die mich wahnsinnig gefesselt haben.

Aliens, Aliens und noch mehr Aliens!

Das erste Ziel der Missionen ist schon beinahe lustig. Es wird als „Onion Alien“ bezeichnet. Ein humanoides Kerlchen, dessen Kopf einer Zwiebel ähnelt. Ich war erst sehr belustigt davon und hatte schon fast erwartet, dass dieser Manga eine lustige Richtung einschlagen würde. Hier wird sehr effektiv mit den Erwartungen gespielt und schon bald wird aus der entspannten, lustigen Atmosphäre ein richtiger Horror-Trip. Die Anzüge, die nur manche von den Menschen anfangs anziehen, schützen die Träger zwar vor einer begrenzten Anzahl an körperlichen Schäden, aber die Aliens sind eine ganz andere Hausnummer. In den meisten Fällen sind sie wahre Tötungsmaschinen und in wirklich jeder Mission müssen die Menschen an ihre Grenzen gehen, um nicht vollständig ausgelöscht zu werden.

Die menschliche Seite der Geschichte ist schon interessant, doch das Alien Design und dieser gewisse Überraschungseffekt den jede neue Mission mit sich bringt runden das ganze einfach perfekt ab. Jedes Mal, wenn ich beim lesen Pause machen wollte, wurde diese Idee sofort gestoppt sobald eine neue Mission anfing. Die Pause konnte ich dann meistens erst nach der Mission machen, war dann aber hibbelig und aufgedreht, weil dieser Manga so dermaßen intensiv ist wenn die Aliens erst einmal aufgetaucht sind.

Zeichnungen und der Einsatz von 3D

Hiroya Oku nutzt bei seiner Arbeit nicht nur normale 2D Zeichnungen, sondern auch 3D Render um seine Aliens und die Stadt darzustellen. Ich hab schon öfters gelesen, dass Leute dies ein wenig bemängeln. Persönlich liebe ich aber diesen Weg, da besonders die großen Aliens oftmals in 3D gerendert und überzeichnet werden, was ihnen einen außerirdischen Touch gibt. Die Zeichnungen von Gantz waren für mich ein riesiges Highlight. Sie zeigen so viele Stimmungen und geben die Emotionen und besonders die Verzweiflung der Menschen so perfekt wieder.

Das letzte große Arc von Gantz ist ein bisschen verpönt unter den Fans. Warum, möchte ich hier nicht angeben. Auch weil ich es nicht ganz nachvollziehen kann. Was das letzte Arc aber wirklich gut macht, ist die Nutzung von 3D Elementen um eine volle Stadt und große Objekte darzustellen. Da kommt die außerirdische Wirkung perfekt rüber und hat bei mir den Lese-Genuss sehr gestärkt. Ich bin persönlich sehr offen was Zeichenstile angeht und Gantz ist mit seinem einzigartigen Nutzen von 3D einfach sehr hoch angesehen bei mir. Ich liebe es, wenn Mangaka neue Dinge ausprobieren, besonders da es zu der Veröffentlichungszeit (2000-2013) noch etwas sehr neues war.

Der Elefant im Raum: Gantz und nackte Haut

Wer von Gantz schon mal etwas gesehen hat, der wurde vermutlich mit sehr viel nackter Haut konfrontiert. Sowohl auf den Kapitel-Bildern sowie in der Geschichte selbst sieht man ständig Brüste, Intimzonen und suggestive Positionen. Besonders zum Beginn der Geschichte wird man davon quasi erschlagen. Ich fand das am Anfang echt anstrengend und ich verstehe total, warum Leute die Reihe deswegen abbrechen würden. Als ich nach dem Lesen auf die Reihe zurückgeschaut habe ist mir aber erst aufgefallen, wie gut diese übertriebene Sexualisierung zu dem Hauptcharakter passt. Er ist genauso versessen auf den weiblichen Körper und sucht nur nach einer Möglichkeit, endlich Sex zu haben.

Diese starke Sexualisierung wird im Laufe der Reihe besser. Kurono verändert sich und damit verändert sich auch in einem gewissen Maße die Sexualität der Reihe. Sie verschwindet nie ganz und ehrlich gesagt wäre es auch sehr komisch, wenn die Reihe das ganz ablegen würde, aber das ist für mich auch vollkommen in Ordnung gewesen. Gantz ist wie wir Menschen. Lüstern, brutal, übertrieben, ein wenig komisch und einfach vollkommen einzigartig. Es hat viel Schockfaktor und manche Story-Stränge sind nicht perfekt, aber welches Werk ist das schon?

Fazit

Ich habe noch nie vorher in 2 Tagen 37 Bände gelesen habe. Selten ist mir ein Manga so wichtig geworden. Auch nach 6 Jahren kann ich immer noch nicht genau sagen, was Gantz in mir ausgelöst hat und von der Message vom Manga wüsste ich gerade auch nicht viel. Gantz hat viele Schwächen in seiner Story, aber sie fühlt sich trotzdem ehrlich und wichtig an. Dieser Manga gab mir ein paar der intensivsten Kampfszenen und hat mich am Ende mit einem Staunen zurückgelassen, dass mich für einige Tage verfolgt hat.

Ich weiß gar nicht, ob ich euch empfehlen kann, Gantz zu lesen. Es ist sehr blutig und wirklich nichts für schwache Nerven. Es hat ein paar Inhalte, die aus heutiger Sicht sehr schwierig sind und der Hauptcharakter ist wirklich ein Kotzbrocken, zumindest am Anfang. Ich habe mir vorgenommen, dieses Jahr der Reihe nochmal einen neuen Durchlauf zu geben und mir, auch zeitlich bedingt, mehr Zeit als 48 Stunden dafür zu nehmen. Darauf freue ich mich enorm, denn es ist ein Luxus nochmal so eine intensive Reihe lesen zu können. Vielleicht solltet ihr zumindest mal probieren, ob Gantz euch auch so fesseln könnte wie mich.

Quelle
Gantz 0 GifPanels im Blog verwendet

Yosunai

Spontaner Mitschreiber bei Nerdjunk. Hat wirklich keine Ahnung vom Blog-Schreiben, möchte es aber gerne mal ausprobieren. Liebt Indie-Spiele und Manga. Hat momentan zu viel Zeit und ist immer bereit, mal etwas Neues auszuprobieren. Hauptsache, es macht Spaß.

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Ein Kommentar

  1. @nerdjunkblog Gantz ist solch ein Manga bzw. Anime, den muss man lieben lernen. Einzig die stellenweise seltsam wirkenden Anime mag ich nicht. Die 3d Computeranimationen wirken einfach seltsam. Trotzdem wird es mal Zeit, den Manga weiterzulesen. Danke für den schönen Beitrag 🙂

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